Tutorial Galopprennsport

Tutorial Galopprennsport

Tiefergehende Überlegungen
Oft reicht es nicht sich nur die letzten Ergebnisse eines Pferdes anzuschauen, viele weitere Faktoren können im Galopprennsport eine Rolle spielen. Nachfolgend werden einige tiefergehende Einflüsse beleuchtet.
Die Positionen im Feld
Um ein Pferderennen verstehen zu können sollte man sich darüber bewusst sein, dass es Pferde gibt, die gerne im vorderen Teil des Feldes laufen und andere, die sich während des Rennens lieber im Mittelfeld oder am Ende des Feldes aufhalten. An der Spitze findet man häufig sogenannte „Frontrunner“. Bei ihnen handelt es sich um „Galoppierer“, die über lange Zeit eine hohe Geschwindigkeit halten können, jedoch Schwierigkeiten haben schnell zu beschleunigen. Diese Galoppierer versucht man an die Spitze des Feldes zu beordern, wo sie ihr eigenes Tempo laufen können und auch auf der Zielgeraden noch schnell genug sind, um die Führung zu verteidigen.
Auch die Pferde hinter den Frontrunnern (englisch: Chaser, On-Pacer, Presser) laufen am liebsten im vorderen Teil des Feldes, sie können den Frontrunner, der sich nicht überholen lassen möchte, dazu drängen ein hohes Tempo zu gehen.
„Speedpferde“ (englisch: Closer, Swooper) werden im hinteren Teil des Feldes positioniert. Sie sind dazu fähig ihr Tempo schnell zu erhöhen und setzen ihren Speed auf der Zielgeraden ein, wo sie ihre Gegner von hinten kommend überholen. Für Speedpferde ist es von Vorteil, wenn das Tempo während des Rennens hoch ist, wodurch ihre Endgeschwindigkeit noch besser zum Tragen kommt. Langsames Tempo ist für sie jedoch ungünstig.
Es kann hilfreich sein, sich vor einem Rennen darüber klarzuwerden, auf welchen Positionen die Pferde vermutlich laufen werden.
Wird es ein schnelles Rennen geben, weil mehrere Starter gerne vorne laufen? Könnten sich gar zwei „Frontrunner“ im Kampf um die Führung aufreiben? Oder wird es ein langsames Rennen, weil Pferde fehlen, die für Tempo sorgen?
Angaben zu den Positionen der Pferde in ihrer letzten Rennen findet man auf Galopp-Statistik.de in den jeweiligen Formen, allerdings nur für die gehobenen Rennen (Ausgleich I bis Gruppe I). Für Positionangaben der unteren Rennen kann man in der Fachzeitschrift Sportwelt die Kurzkommentare zu jedem Pferd lesen.
Startboxen und weite Wege
Für die Position im Rennen spielen auch die Startboxen eine Rolle. Läuft ein Pferd gerne vorne, ist eine hohe, äußere Startnummer ein Nachteil, denn so muss es einen weiten Weg absolvieren, um nach vorne zu gelangen und dadurch bereits am Start viel Energie aufwenden, die ihm am Ende fehlen könnte.
Aber auch für alle anderen Pferde kann eine äußere Startbox von Nachteil sein, denn es ist wahrscheinlich, dass sie sich auf einer Position im äußeren Teil des Feldes einfinden werden. Pferde, die in den äußeren Spuren durch die Bögen der Rennbahnen laufen, legen einen weiteren Weg zurück. Je nach Distanz und Rennbahn kann dies zwischen einer und drei Sekunden ausmachen (Statsman 1991b).
Der Untergrund
Bodenverhältnisse können die Einflüsse von Startbox und Position verändern. Hat es längere Zeit geregnet, kann es sein, dass die Innenseite der Rennbahn mehr aufweicht als ihre Außenseite, da Rennbahnen gewöhnlich leicht nach innen abfallen. Nun ist es die Außenseite, auf der es sich besser läuft, wodurch die äußeren Startboxen und Positionen günstiger werden. Je mehr Rennen an einem Renntag absolviert werden, je weicher und abgenutzter wird die innere Bahn.
Auf weichem oder schwerem Geläuf sinken Pferde tiefer in den Boden ein. Sie verbrauchen dabei mehr Energie, weshalb ihre Ausdauer nun wichtiger wird als ihre Fähigkeit zu beschleunigen. Speedpferde können deshalb ihre Endgeschwindigkeit auf weichem Boden nicht so gut ausspielen wie auf festerem Untergrund.
Hinzu kommt, Pferde, die wie Speedpferde im hinteren Teil des Feldes laufen, bekommen auf weichem Geläuf den aufgewirbelten Boden der vor ihnen laufenden Pferde ins Gesicht. Dies trifft in besonderem Maße auch auf Rennen zu, die auf Sand ausgetragen werden.
Die Größe des Feldes
Auch die Anzahl der Starter sollte man beachten, will man ein Pferderennen einschätzen. Je mehr Pferde antreten, umso wahrscheinlicher ist es, dass es zu keinem langsam gelaufenen Rennen kommt. Tatsächlich erhöht sich in einem großen Feld die Chance auf ein schnelles Rennen, was Speedpferden in die Karten spielt. Andererseits steigt mit der Anzahl der Starter auch die Wahrscheinlichkeit, dass Speedpferde, die ja von weit hinten kommen, auf ihrem Weg nach vorne keine freie Bahn finden oder behindert werden.
Die Rennbahnen
Rennbahnen haben verschiedene Formen. Grob einteilen könnte man sie in große Bahnen mit weiten Bögen und langen Zielgeraden und kleinere Bahnen mit engen Bögen und kurzen Geraden.
In den Bögen müssen die Pferde ihre Geschwindigkeit verlangsamen. Gerade für große Pferde und Galoppierer ist es in den Bögen schwieriger sich durchzusetzen, kleine agile Pferde kommen dort häufig besser zurecht. Auch wenn es aus dem Bogen heraus in die Zielgerade geht, gibt es Pferde, die damit besser zurechtkommen und so auf kurzen Zielgeraden einen Vorteil haben. Galoppierer rufen auf weitläufigen Bahnen mit langer Zielgerade ihre beste Leistung ab, andere Pferde kommen mit engen Bahnen und kurzen Geraden gut zurecht.
Manche Rennbahnen weisen besondere Eigenheiten auf, im englischsprachigen Raum nennt man dies „track bias“. So gewinnen auf der Bahn in Düsseldorf, mit ihrem Hügel und dem engen Bogen vor der Zielgeraden, zumeist Pferde, die im vorderen Teil des Feldes laufen. In München-Riem gelingt dies dagegen häufig Pferden, die von hinten kommen.
Gewichte
Ein englisches Vollblut wiegt etwa fünfmal soviel wie ein Mensch. Würde ein Mensch eine Literflasche Wasser transportieren, wäre das in etwa so, als würde ein Rennpferd fünf Kilogramm Mehrgewicht tragen. Physikalisch gesehen hat Gewicht abschwächende Wirkung auf die Leistung, dennoch haben mehrere US-amerikanische Studien gezeigt (Beyer 1993, Mordin 1996), dass Rennpferde sich unter höherem Gewicht nicht zwangsläufig verschlechtern, teilweise verbessern sie ihre Leistung sogar. Es scheint, dass Pferde mit aufsteigender Form von erhöhtem Gewicht weniger betroffen sind. Es gibt Pferde, denen die Gewichtsveränderungen kaum etwas ausmacht und andere, die auf die Mehrbelastung negativ reagieren.
Rennpausen
Pferde, die nach einer längeren Pause ein Rennen bestreiten, haben noch nicht ihre volle Fitness erlangt, so zumindest die Theorie. Auf einige Pferde trifft dies fraglos zu, doch sollte man dies nicht pauschalisieren, es gibt auch Pferde, die direkt nach einer Rennpause erfolgreich sind. Wie ein Pferd mit einer Pause zurechtkommt, ist individuell verschieden und hängt auch mit dem Training zusammen.
Unklar ist die Frage, wie lange eine Rennpause andauern muss, damit sie Auswirkungen auf den Fitnesszustand eines Pferdes hat. Dazu gibt es unterschiedliche Ansichten und natürlich ist die Dauer von Pferd zu Pferd verschieden. Im Allgemeinen wird aber davon ausgegangen, dass sich eine Rennpause von über sechs Wochen negativ auf die Fitness auswirken kann (Mordin 2003, Statsman 1991a). Bei Galopp-Statistik.de werden deshalb Rennpausen von über 42 Tagen in den Rennbilanzen mit einer Extrazeile gekennzeichnet.
Man sollte sich auch dann Gedanken machen, wenn ein Pferd zu wenige Pausen erhält. Manche Besitzer wollen ihre Pferde laufen sehen und gönnen ihnen zu wenige Pausen, weshalb sie nicht zu Form finden.
Fazit
Die vergangenen Ergebnisse eines Rennpferdes bilden die Basis zu seiner Beurteilung. Die Leistungen nach besonderen Begebenheiten zu untersuchen, kann zu einer noch genaueren Einschätzung führen.
Lief ein Pferd schlecht, weil es mit der Bahnführung nicht zurechtkam, es eine schlechte Startbox erwischte oder eine Pause gebraucht hätte? Oder war das Pferd ganz einfach zu schwach für seine Gegner und wird auf diesem Niveau kein Rennen gewinnen?
Fraglos bedarf es Konzentration und viel Zeit ein Pferd und gar ein ganzes Teilnehmerfeld gründlich zu analysieren. Aus diesem Grund spezialisieren sich die meisten professionellen Spieler auf bestimmte Typen von Pferderennen und verfügen so in ihrem Bereich über ausgezeichnetes Wissen.
Ein Werkzeug, die aufwendige Analyse von Pferderennen zu vereinfachen sind die in den Formen dieser Webseite angegebenen Speed-Punkte. Ausführliche Erklärungen findet man unter Speed-Punkte.
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Quellennachweis:
Beyer, Andrew (1993): Beyer on speed, Houghton Mifflin, New York, S.106 ff.
Mordin, Nick (1996): Mordin on time, Aesculus Press, Nantwich, S.40 ff.
Mordin, Nick (2003): Betting for a living, Aesculus Press, Nantwich, S.124.
Statsman (1991a): Seeking out the fit ones. URL https://practicalpunting.com.au/pp-online/a-z-of-betting/form-analysis/fitness-patterns/seeking-out-the-fit-ones-19910114 (Abgerufen 01.05.2019)
Statsman (1991b): Barriers - Are they really so important as they believe? URL: https://practicalpunting.com.au/pp-online/a-z-of-betting/form-analysis/barriers/are-they-really-so-important-as-we-believe-1991060 (Abgerufen 01.05.2019)
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